Förderung durch Institutionen

 

Warum braucht die Deutsche Schachstiftung institutionelle Förderer?

Aufgrund von Vorausinformationen über das laufende Schulschachprojekt in Satka/Rußland, sowie  Aussagen von Viktor Zaretzki/Moskau, dem wissenschaftlichen Leiter des Projektes, und auf der Grundlage der Beobachtung des Schachunterrichtes an den Grundschulen in Satka und Lübeck stellt die Deutsche Schachstiftung folgende Thesen auf:

 

Nur fachlich fundierter, methodischer Schachunterricht kann Kinder wirksam fördern.
Ein Schachunterricht, in dem die Schüler unter Anleitung des Lehrers bloß Schach spielen, ja, wo die Lehrer selbst das Spiel erst zusammen mit den Schülern lernen, bringt für die Kinder praktisch kaum einen signifikanten Vorteil.

 

Begründung: In Satka wurde im ersten Jahr nach Einführung des "Schachunterrichtes" kein Wert auf eine methodische Anleitung der Lehrkräfte gelegt; die Lehrerinnen lernten das Spiel zum Teil gemeinsam mit den Schülern. Beim Vergleich mit einer Kontrollgruppe von nicht schachspielenden Kindern ergab sich kein wesentlicher Unterschied in der schulischen Entwicklung.

 

Nur geistiges und psychisches Training führt bei den Kindern zu einer Leistungssteigerung.
Ein methodisch aufgebauter Schachunterricht, d. h. ein Unterricht, der auf die Ausbildung der geistigen und psychischen Kräfte der Kinder ausgerichtet ist, ihnen besondere Leistungen abverlangt und sie  mit gezielten Aufgaben anleitet, gedanklich („im Kopf“) zu arbeiten und ganze Zugfolgen im voraus zu visualisieren (Zaretsky: "Working in mind!"), nur ein solcher Unterricht hat eine signifikante Verbesserung der schulischen Leistungen zur Folge.

 

Begründung: Ein Vergleich der schulischen Leistungen der am Schachunterricht teilnehmenden Schüler - jeweils in voller Klassenstärke - mit den nicht mit Schach in Berührung kommenden Schülern ergab in Satka eine Verbesserung dieser Gruppe von 0,3 Zensurpunkten im ersten Jahr - bei einem Zensurenrahmen in Rußland von 1 bis 5. Im zweiten Jahr verbesserte sich die nicht schachspielende Schülergruppe um 0,1 Zensurpunkte, die Gruppe, die den methodischen Schachunterricht erhielt, verbesserte sich um 0,5 Zensurpunkte. Aus dem 1. und 2. Unterrichtsjahr ergibt sich somit ein Vorteil in den schulischen Leistungen von 0,3 + 0,4 = 0,7 Zensuren, bei einer Gruppengröße von je ca. 180 Schülern (Beobachtungsjahr 2006 und 2007).

 

Lernen in Kleingruppen ist die Grundlage für den Erfolg bei der Charakterschulung
Ein methodischer Schachunterricht, der darauf angelegt ist, die Kinder so bald wie möglich an das Spielen eigener Partien heranzuführen, stellt sicher, daß die Motivation der Kinder erhalten bleibt und fördert neben der Fachkompetenz auch deren Sozialkompetenz. Dies kann nur in Kleingruppen von 8-12 Kindern geleistet werden. Die Fortschritte in diesem Bereich sind erheblich, sie sind das Ergebnis des Ineinanderwirkens komplexer Vorgänge in verschiedenen Schichten der sich entwickelnden Persönlichkeit.

 

Die Kinder lernen insbesondere:

  • die Rolle verschiedener Elemente - Material, Raum und Zeit - auf dem Brett und deren vorteilhafte Koordination beim Partiespiel zu erkennen;
  • schwierigen Situationen mit Einfallsreichtum und Flexibilität zu begegnen – und diese Kompetenz auf ihren Alltag zu übertragen;
  • Freude daraus zu ziehen, neu gewonnenes Wissen selbstständig anwenden zu können und daraus einen unmittelbaren Vorteil für sich abzuleiten;
  • eigene Pläne zu entwickeln und diese auf dem Brett konsequent zu verfolgen – später auch im Leben;
  • den Wert des voraussehenden Denkens zu schätzen, um so zu vermeiden, immer nur auf Prozesse reagieren zu müssen. Sie lernen, aktiv zu gestalten und die Pläne des Spielpartners vorausschauend wahrzunehmen, um auf kommenden Entwicklungen souveräner reagieren zu können;
  • die Stärken und Schwächen ihres Partienspiels zu analysieren und sich aufrichtig Rechenschaft über ihre eigenen richtigen oder fehlerhaften Lösungsansätze zu geben;
  • Gewinn und Verlust mit Gleichmut (nicht mit Gleichgültigkeit im Sinne von Desinteresse) zu begegnen und ihre Emotionen bei Erfolg und Niederlage zu beherrschen;

Begründung: Die hier als These formulierten Vorteile gehören in der Psychologie zu den "weichen Faktoren", die sich einer quantitativen Erhebung durch Maß und Zahl in aller Regel entziehen, sie treten vor allem für diejenigen deutlich hervor, die von Berufs wegen viel mit Kindern zu tun haben und deren Entwicklung  über einen längeren Zeitraum beobachten können.

 

Schachunterricht in Kindergarten und Grundschule

  • Ein methodischer Schachunterricht sollte bei Kindern so früh wie möglich beginnen. Es spricht alles dafür, Kindern bereits im Vorschulalter die Möglichkeit zu geben, die Grundlagen des Schachs kennenzulernen, und sie ihrer Entwicklung gemäß schachlich zu fördern.
  • In der Schule sollte der methodische Schachunterricht bereits im ersten Schuljahr einsetzen, mit einem Umfang von 45 Minuten pro Woche reiner Unterrichtszeit. Im zweiten Halbjahr kann der Unterricht auf zwei mal 45 Minuten gesteigert werden.
  • Im zweiten bis vierten Schuljahr sollte, nach bisherigen Erkenntnissen, der Unterricht 90 Minuten pro Woche gegeben werden.

Begründung: Es gibt Anlass zu der Vermutung, dass das Alter, in dem ein Kind den ersten methodischen  Schachunterricht erhält, von ausschlaggebender Bedeutung ist. So bekamen Kinder einer entsprechenden Klasse der Grundschule l in Satka, die bereits zwei Jahre Schachunterricht hatten, von der Lehrerin eine Partiestellung mit mehreren Figuren mündlich genannt, die durch den Zug einer der Parteien zum Schachmatt geführt werden sollte. Die Lösung, die nur im Kopf gelöst werden durfte, konnte der als erster sich meldende Schüler richtig angeben. Die Lehrerin Liliya, die bereits seit drei Jahren an dieser Schule Schachunterricht erteilte, war aber, wie der Projektleiter Viktor Zaretzky nach dem Unterricht erklärte, selber nicht in der Lage, diese Aufgabe zu lösen. (Siehe auch das Vorwort zu dem Heft "Schach - ein wichtiges Mittel zur Erziehung der Schüler".)

 

Eltern können unschwer ermessen, welche Bedeutung die hier erst einmal als Thesen vorgestellten Vorzüge für die weitere Entwicklung ihres Kindes bzw. ihrer Kinder haben.

 

Die Deutsche Schachstiftung richtet sich mit diesen Ausführungen aber vorrangig an Institutionen, Verbände, Unternehmen. Wer in diesen Bereichen in leitender Position tätig ist, weiß selbst und erlebt es tagtäglich, wie es zunehmend schwieriger wird, qualifizierte, ausgeglichene, belastbare, einsatzfreudige Mitarbeiter für eine Neueinstellung zu finden. Die Vorteile, die eine möglichst breite, flächendeckende Einführung des hier skizzierten methodischen Schachunterrichtes ergibt, liegen auf der Hand, so daß sie hier nicht in allen Details weiter ausgeführt werden müssen. Wer eine verantwortliche Position bekleidet, ist es gewohnt, Fakten selbst zu beurteilen, diese ggf. näher zu prüfen und dann eigene Schlüsse daraus zu ziehen.

 

Der Schachunterricht an der Dom-Schule und der Schule Marli wird derzeit von der Deutschen Schachstiftung bezuschußt, damit er für die Eltern kostengünstig bleiben kann, der Unterricht steht daher auch Kindern aus Familien mit geringerem Einkommen offen. Damit ergeben sich für die Deutsche Schachstiftung aber allein in einer dreizügigen Jahrgangsstufe einer Grundschule bereits Zuschüsse in Höhe von einigen Tausend Euro pro Jahr.

 

Die Stiftung gerät hier rasch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, insbesondere dann, wenn weitere Schulen Interesse signalisieren und ebenfalls einen derartigen Unterricht anbieten möchten. Hier sind Engpässe bzw. Beschränkungen absehbar, die aber, in Anbetracht der Vorteile, die der methodische Schachunterricht bietet, vermieden werden sollten. Es muß auch personell etwas getan werden, denn eine Ausweitung des Schachunterrichtes  -- über den an der Domschule und der Schule Marli hinaus  -- ist uns derzeit nicht möglich, es sei denn, es gäbe die  Möglichkeit der Ausbildung eines weiteren Schachtrainers.

 

Das mittelfristige Ziel der Deutschen Schachstiftung ist es, den methodischen curriculargebunden Schachunterricht flächendeckend an den Schulen aller Bundesländer anzubieten und den Unterricht durch besonders qualifizierte, von den Ländern angestellte Schachlehrer erteilen zu lassen. Als nächster Schritt in dieser Richtung wäre es sinnvoll, jetzt auch in anderen Bundesländern entsprechende Pilotprojekte in Gang zu bringen. Wenn auch Sie hierzu einen Beitrag leisten möchten, nehmen Sie bitte mit uns Verbindung auf. 


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Vielen Dank!

 

Das Team der Deutschen Schachstiftung